Kunstinterventionen
im Tröpferlbad

Der original erhaltene Tröpferlbadraum im Bezirksmuseum Wieden wurde zur Bühne für junge Kunst.
Kunstinterventionen im Tröpferlbad - eine rote Linie wandert in den original erhaltenen Tröpferlbadraum des Bezirksmuseums Wieden

Kunstinterventionen im Tröpferlbad, Bezirksmuseum Wieden

Fotos: Klaus Pichler

Während die neue Dauerausstellung „Im Tröpferlbad- Geschichte(n) zu Gesundheit und Hygiene“ entstand, wurde der original erhaltene Duschraum im Bezirksmuseum Wieden im Frühling 2021 zur Bühne für künstlerische Interventionen: Vier Arbeiten setzten sich auf ganz unterschiedliche Weise mit dem Gebäude, das von 1893 bis 1978 städtisches Volksbad war, auseinander und schafften damit neue Perspektiven auf die Themen Tröpferlbad und Museum.

So setzte Laura Stoll in der prozessbasierten Installation “Purification“ eine ortsbezogene Variante ihrer Serie “The Lost Faces“ um. Auf den Spuren von Geschichten aus Europa und China hinterfragte sie Vorstellungen vom „Selbst“, das Verhältnis von Original und Kopie und rückte das Wasser als Medium der Reinigung und des Wandels in den Mittelpunkt.

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The Lost Faces/Purification von Laura Stoll

Leo Mayr und Martin Weichselbaumer näherten sich in ihrer Arbeit „weiße Flagge“ dem „Mythos Tröpferlbad“ mit einem herrschaftskritischen Blick, der das Tröpferlbad als städtische Gesundheitseinrichtung in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang verortete.

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weiße Flagge von Leo Mayr und Martin Weichselbaumer

Bei Marlene Hübner und Amelie Schlemmer wurde es in “Changing Cabinet“ hingegen wieder ganz intim. Die beiden Näherinnen und Social Designerinnen nahmen in ihrer multimedialen Installation – ganz wörtlich gemeint – den so routinierten Bewegungsablauf des Aus- und Umziehens unter die Lupe. Das öffentliche Tröpferlbad wurde so einmal mehr zum Raum verschiedener Pole: Kleidung und Körper, Nacktheit und Angezogenheit, Intimität und öffentliche Zurschaustellung sowie Sehen und Gesehen-Werden.

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Changing Cabinet von Amelie Schlemmer und Marlene Hübner

Christopher Frieß, Marlene Fröhlich, Leonhard Pill und Noa Schaub setzten sich unter dem Motto “WIEDEN LEAKS” mit den Themen Badeanstalt, Authentizität und Museum auseinander. Anhand von Objekten, die im Laufe der Geschichte des Tröpferlbades erstmals ins Auge der Öffentlichkeit traten, provozierten sie historische Möglichkeitsräume und lenkten den Blick sowohl auf Geschichten, als auch auf Geschichtsschreibung.

Kombiniert wurden die künstlerischen Positionen jeweils mit einem Objekt aus der Geschichte der Wiener Tröpferlbäder, das voraussichtlich auch in der anschließenden neuen Dauerausstellung zu sehen war. So wurden Verbindungslinien zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Kunst und Wissenschaft sowie unterschiedlichen Ausdrucksweisen von Geschichte(n) aufgezeigt und zur Diskussion gestellt.

WIEDEN LEAKS, Kunstiterventionen im Tröpferlbad, Bezirksmuseum Wieden, Foto: Klaus Pichler

WIEDEN LEAKS von Christopher Frieß, Marlene Fröhlich, Leonhard Pill und Noa Schaub

Idee und Umsetzung: Alina Strmljan (Curatorial Fellow, Stabstelle Bezirksmuseen im Wien Museum) und Philipp Maurer (Leitung Bezirksmuseum Wieden)

Eröffnung und Laufzeit: Frühjahr – Sommer 2021.

Zur den Kunstinterventionen im Tröpferlbad ist auch eine Publikation erschienen.